Narkose Anästhesie

Was ist das eigentlich?

Narkose kommt aus dem altgriechischem „narkosis oder narkosi“ und bedeutet

>in – den – Schlaf – versetzen<

Aber der Mensch schläft ja nicht nur.

Kneift oder piekst euren Partner mal im Schlaf, der wird euch was erzählen.

Also, was geht hier wirklich vor? Was ist also eine Narkose?

1. Der Bewusstseinsverlust (Hypnose)
2. Die Schmerzausschaltung (Analgesie)
3. Der Erinnerungsverlust (Amnesie)
4. Die Muskelentspannung (Relaxation)
Diese 4 Dinge wären für eine Vollnarkose nötig, bei der dann der Patient auch durchgängig beatmet und der Kreislauf überwacht werden muss.
Bei dieser Art der Narkose finden wir am häufigsten die 

Injektionsnarkose.

Die einzelnen Mittel werden per Spritze in eine Vene appliziert und die Narkose kann so in ihrer Tiefe und Länge gesteuert werden.
Ein Nachteil dieser Narkoseform ist, dass man die Narkose nicht kurzfristig beenden kann und somit der Nachschlaf sehr lange dauern kann.

Häufig wird aber eine Narkose auch nur als Injektionsnarkose begonnen und dann als 

Inhalationsnarkose 

weiter geführt.
Das heisst, erst wird alles so gemacht, wie bei einer Injektionsnarkose, dann wird aber das Schlafmittel durch ein Gas ersetzt und über die Atemwege zugeführt.
Die Vorteile sind, die Narkose ist sehr gut steuerbar und schnell zu beenden, das Schmerzmittel kann und soll in aller Regel lange weiter wirken und die Muselrelaxanz kann antagonisiert (aufgehoben) werden.


Lokalanästhesie

Hierbei wird nur das Schmerzmittel in die Umgebung des zu operierenden Umfeldes appliziert, um dieses für einen gewissen Zeitraum schmerzfrei zu machen.
Vorher wird häufig noch ein leichtes Beruhigungsmittel gegeben.
Diese Form der Anästhesie eignet sich natürlich nur für kleine, oberflächliche Operationen.


Oberflächenanästhesie

Diese Form der Anästhesie wendet man sehr häufig in der Hals–Nasen–Ohren und Augen Chirurgie an.
Hierbei wird mittels Tropfen oder Sprays das Anästhetikum aufgebracht um eine Schmerzfreiheit herzustellen. Z.B. Augendruckmessung.
Auch diese Form der Anästhesie eignet sich nur für sehr kleine Eingriffe.


Epiduralanästhesie

Diese Art dürfte sehr vielen Frauen als Rückenmark-Anästhesie bekannt sein, weil sie bei Geburten häufig zum Einsatz kommt.
Sie wird aber auch bei vielen anderen Operationen angewendet, wo man eine totale Ausschaltung unterhalb des Beckenkamms haben will.
Z.B. Bei der Hämorrhoiden-Operation u.a.
Der wesentliche Vorteil ist, man kann einen kleinen Katheter legen (Epiduralkatheter) über den man dann längere Zeit, mehrere Tage, ein Schmerzmittel, bei Bedarf, nachspritzen kann.


Leitungsanästhesie

Hierbei wird der Hauptnerv einer Gliedmasse betäubt und das gesamte nachfolgende Gebiet ausgeschaltet.
Man betäubt z.B. den Plexus-Nerv im Oberarm und kann stundenlang an der Hand operieren, weil man auch hier über einen Katheter das Mittel jederzeit nachspritzen kann.
Auch diese Form der Anästhesie ist nur sehr wenig für den Körper belastend.


Die Kunst des Arztes, in diesem Fall des Anästhesisten, ist es nun, die richtige Form und Art der Narkose für seinen Patienten herauszufinden und dabei ist es egal. Ob es sich um einen Menschen, oder um einen HUND handelt.
Möglich ist bei beiden grundsätzlich erst mal das gleiche, aber in einer normalen Kleintierpraxis sind die Möglichkeiten sehr begrenzt.
Das gleiche gilt natürlich auch für eine normale chirurgische humanmedizinische Praxis.

In beiden Fällen wird der Anästhesist sich auf SEINE Anästhesie beschränken und deshalb kann eben nicht jede beliebige Operation in jeder Praxis durchgeführt werden.
Hier sollte man vorher sehr genau nachfragen und ein ausführliches Gespräch führen.

Es ist nämlich ein riesen Unterschied, ob ich einen jungen, kräftigen, kerngesunden Menschen operiere, oder ob es ein alter, mit etlichen Vorerkrankungen versehener Mensch ist.

Genauso ist es ein erheblicher Unterschied, ob es ein Dackel oder eine Dogge ist, ob der Hund alt und krank ist, oder jung und kerngesund.

All dies macht viele unterschiedliche Gerätschaften zur Überwachung nötig, die sehr aufwendig in der Bedienung und darüber hinaus auch noch sehr teuer sind.


Die Frage aller Fragen

Welches ist die „Beste Narkose“
Es gibt sie nicht, es gibt nur die „Richtige Narkose“

Um die herauszufinden seid ihr da, nur ihr könnt dem Arzt alle nötigen Informationen an die Hand geben, um die „Richtige Narkose“ zu wählen.

Wenn ihr bei diesem Gespräch der Meinung seid, er ist sich nicht 100% sicher, dann fragt ihn, was er für seinen Angehörigen, bzw. für seinen Hund für eine Narkose in diesem Fall wählen würde und die wählt ihr dann auch, auch wenn sie vielleicht die teuerste Variante ist.
Der Preisunterschied bewegt sich so bei +/- 50,- Euro.

Wie ist der heutige Stand

Ausgehend von einer "Vollnarkose" braucht man immer noch ein

Schlafmittel (Hypnoticum) ein
Schmerzmittel (Analgeticum) und eine
Muskelentspannung (Relaxanz) kann man aufheben (antagonisieren)

Am häufigsten:

Ketanest + Diazepam + Gas
Vorteil:
Kurze Halbwertzeit, ca. 30 Min.
hebt den Blutdruck etwas an
kann bei nicht nüchternen Hunden gegeben werden und
geht eigentlich für alles

Nachteil:
starker Speichelfluss
böse Träume, Hund kann um sich beissen
hohe Geräuschempfindlichkeit

Im Kommen:

Propofol + Schmerzmittel + Diazepam
Vorteil:
sehr kurze Halbwertzeit, ca. 7-10 Min.
sehr gut steuerbar

Nachteil:
Rhythmusstörungen
Blutdruckabfall

Sehr stark im Kommen:

Propofol + Ketanest
Vorteil:
beides kann sehr gering dosiert werden
neutraler Blutdruck
Atmung bleibt weitestgehend erhalten
sehr kurze Halbwertzeit
kaum Nebenwirkungen
sehr gut steuerbar und leicht zu verlängern

Nachteil:
Hund ist ca. 1-2 Std. etwas schreckhaft und kann auch zuschnappen.